Ausbildungsportal der Deutschen Rentenversicherung Bund

Meine Abschlussrede

Sehr geehrte Damen und Herren, oder einfach: Hallo!

Ich möchte Ihnen zu Beginn meiner Rede eine Situation beschreiben, in der sich jeder von uns DRV-Studies womöglich schon einmal befunden hat. Meine Version also folgende Anekdote:

„Und was studierst du nochmal? Irgendwas mit Versicherungen, oder?“
Irgendwie war ich auf einer dieser typischen Studentenparties gelandet, auf denen es nach den Gesprächsinhalten zu urteilen, vorrangig darum geht, sich zu überbieten, mit den spannendsten Studiengängen (es reicht, wenn es danach klingt) und den entferntesten Reisezielen (mit Europa oder gar innerdeutschen Zielen bist du raus).
„Ich studiere bei der Deutschen Rentenversicherung“, antwortete ich kurz angebunden. Und ahnte, welche Frage nun folgen wird. Diese Dialoge kennt jeder von uns.
„Ah cool! Und bei welcher?“
Hierbei ist nicht davon auszugehen, dass mein Gegenüber von mir wissen möchte, ob ich bei einem Regionalträger oder bei der DRV Bund studiere. Die Antwort; „Bei der gesetzlichen Rentenversicherung.“ musste reichen, um das Bewusstsein über unser Sozialversicherungssystem in Deutschland aus dem Sumpf von Allianz, Ergo & Co zu retten. Mag es meine einsetzende Betriebsblindheit sein oder schlichte Arroganz, ich habe die Hoffnung, dass auch jeder Minijobber weiß, warum er den Wisch bei der Einstellung bzgl. seiner Versicherungsfreiheit unterschreiben musste. Und so schon einmal bewusst in Kontakt mit der gesetzlichen Rentenversicherung getreten ist.
Bei meinem Gegenüber herrschte weiterhin Unklarheit. Davon ließ er sich nicht stören und fuhr mit seinen automatisierten Fragen fort:
„Und was genau machst du damit später mal?“
„Ich kann dir deine Rente auf einem Collegeblock ausrechnen!“
Diese Antwort schien nicht ganz so cool rüberzukommen, wie ich es mir erhofft hatte. Aber aufgrund seines Bestrebens von allen gemocht zu werden, also auch von mir, antwortete er nur: „Echt? Cool!“
Ich verließ ein wenig später die Party mit der Feststellung, dass ich zwischen den Studiengängen, die Berlin zu bieten hat und weshalb viele in diese Stadt ziehen, nicht wirklich glänze. Kein Erasmus, keine Studentenparties, kein Englisch. Nichts das sich lohnt, um es als ein Statement des eigenen Lifestyles anzusehen.

Dieser Abend ist nun schon etwas länger her. Nach wie vor gerät man allerdings oft genug in die Lage, sich für diese Ausbildung oder gar die zukünftige Tätigkeit zu rechtfertigen.
Es macht fast schon Spaß damit zu provozieren und auf die Frage, was denn nun nach dem Studium auf mich wartet, zu antworten: „Ein eigener Schreibtisch mit Aktenstapeln für die nächsten 40 Jahre, bis zur eigenen Rente!“
Doch je tiefer ich mich in diese Arbeit hineinfinde, möchte ich mich diesem Rechtfertigungszwang widersetzen. Es ist kein Geheimnis, dass man zum Teil auch für die Arbeit in einer Behörde mit tausenden von Mitarbeitern „gemacht sein muss“. Das nicht jedem das Herz höher springt, bei einem lustigen Namen auf dem dreißigsten Aktendeckel oder nicht jeder, wenn er zu einem 27. Geburtstag eingeladen wird, das Geburtstagskind zum fortan regelmäßigen Erhalt einer Renteninformation beglückwünscht. Ein wenig Wahnsinn haben auch wir uns womöglich schon angeeignet, um eine teilweise trockene Arbeit zu beleben.
Trotz allem bleibt es ein Beruf, mit dem man höchstwahrscheinlich schon mal ein paar grundlegende Dinge richtig gemacht hat.
Man nennt unsere Generation auch „Generation Y“. Es heißt, wir wären wieder mehr auf konservative Werte bedacht. Wir würden wieder mehr nach Sicherheit streben. Vermutlich sind wir mit unserem Studium bei der Deutschen Rentenversicherung Bund dafür das beste Beispiel. Fast jeder Dozent wollte im ersten Semester von uns wissen, warum wir uns für dieses Studium entschieden haben. Neun von Zehn Leuten hielten ihre Begründung knapp, mit den Worten: „Öffentlicher Dienst“.
Ich gehöre dazu. Aber ich denke nicht, dass wir eine Generation sind, die keine Risiken eingehen möchte, die mut- und visionslos ist.
Vielleicht haben wir einfach andere Prioritäten gesetzt. Vielleicht wird man uns auch als verwöhnt bezeichnen. Aber es kann doch sein, dass wir das Arbeiten eben nicht als Instrument der vollständigen Selbstverwirklichung annehmen wollen. Das wir unseren Wohlstand dazu nutzen möchten, die Arbeit als einen selbstverständlichen Teil unseres Lebens anzusehen. Genauso selbstverständlich wie einen pünktlichen Feierabend, einem Kontern gegenüber dem Vorgesetzten ohne Angst vor Kündigung, einem Ehrgeiz, der auch innerhalb einer 39h-Woche erfüllt werden kann und ein Wochenende ohne Erreichbarkeit.
Es soll nicht zynisch klingen, aber vielleicht haben wir einfach schon auf genau solchen Studentenparties zu viele Geschichten gehört. Von Studierenden die mit erfolgreichem BWL-Abschluss nicht mehr verdienen, als wir während des Studiums. Gleichzeitig aber eine 60h-Woche schieben, als Praktikant.
Wieso sollte es man es uns dann vorwerfen, unseren Beruf mit der damit verbundenen Sicherheit auszuwählen?

Alles andere ist, was du daraus machst.

Wir sind jung, das Leben wartet auf uns, wir haben uns für eine Arbeit entschieden, die dafür eine gute Grundlage bietet, nicht mehr und nicht weniger. Also macht das Beste daraus und dafür wünsche ich uns allen, alles Gute.

Inzwischen hat sie das Studium erfolgreich beendet und ist als Sachbearbeiterin in der Abteilung für Internationale Aufgaben und Beratungsdienst tätig.